Pferde meines Lebens: Gitana

Nein, ich habe kein neues eigenes Pferd, aber ich habe jetzt ein Pflegepferd. Sie heißt Gitana und ist eine 17-jährige PRE-Stute. Zusammen mit meiner Hyundai steht sie im Stutenstall des Oberwiesenhof in Ensheim. Ihre Besitzer sind Nadine und Gernot Petzold, denen auch der Oberwiesenhof gehört.

Vor drei Jahren, also kurz bevor meine Pferde auf den Oberwiesenhof zogen, kam Gitana als Zuchtstute aus Spanien nach Deutschland. In Spanien hatte sie bereits drei Fohlen bei einem Züchter geboren, lebte aber dann noch einige Zeit zusammen mit einem blinden Pony in einem spanischen Tierheim. So wie mir berichtet wurde, hatte sie eine sehr enge Bindung zu diesem Pony und als es dann starb brach eine Welt für sie zusammen.

Ich lernte sie natürlich gleich in meinen ersten Tagen auf dem Oberwiesenhof kennen und sie fiel mir sofort durch ihr Verhalten auf, denn sie sprach irgendwie eine andere Sprach wie jedes andere Pferd, das ich in meinem Leben kennengelernt hatte. Die anderen Stuten der Herde gewöhnten sich schnell daran, dass sie völlig aufgedreht durch die Gegend trabte und ignorierten sie einfach. An den Heuballen auf dem Winterauslauf darf sie bis heute nur dran, wenn wirklich ALLE satt sind und das kommt fast nie vor. Scherzhaft sage ich immer, dass sie bei den sechs Stuten in der Herde auf Rang acht steht. Sie erhebt auch keinerlei Anspruch etwas dagegen zu tun. Offenbar ist sie einfach nur dankbar, dass sie dabei sein darf.

Nadine und Gernot hatten anfangs oft versucht mit ihr zu arbeiten, doch es stellte sich schnell heraus, dass sie offenbar gar nichts kann. Zudem kamen noch ihre Verlustängste, sobald sie von ihren Freundinnen weg war. Dabei war sie aber nie böse gegen die Menschen, sondern rannte einfach nur hektisch, panisch und unkontrolliert los. Aber eigentlich sollte sie ja Zuchtstute sein und Fohlen bekommen. In den letzten beiden Jahren stand sie direkt neben der WG meiner beiden Pferde und so beobachtete ich Gitana immer, streichelte sie und bekam auch mit wenn sie rossig war. Da wir ja früher selbst gezüchtet haben, interessiert mich das natürlich alles bis heute sehr und ich bin froh, wenn ich hin und wieder ein bisschen helfen darf. Gitana sollte dann nämlich vom hofeigenen Deckhengst Cobalto Rio gdeckt werden. Wenn ich gerade zur passenden Zeit im Stall war, durfte ich sie festhalten. Doch leider hat sie bisher nie aufgenommen.

Nach Harmonys Tod wurde ich immer wieder von verschiedenen Leuten gefragt, ob ich nicht wieder reiten wolle. Mir wurden Pferde zum Kauf und als Reitbeteiligung angeboten, doch das wollte ich alles nicht. Ehrlich gesagt bin ich im Moment ganz froh in einer Situation zu sein, in der ich nicht reiten MUSS.

Dennoch fehlte mir die ganze Zeit etwas, wenn ich mit Hyundais Box und ihrer Fellpflege fertig war. Also fragte ich mal vorsichtig bei Nadine und Gernot an, ob ich Gitana und Doreen, die zweite Rentnerdame neben Hyundai, ein bisschen putzen darf. Irgendwann kam ich auf die Idee mit Gitana spazieren zu gehen. Auch das musste ich natürlich erfragen. Ich wurde gewarnt, dass sich diese Idee als schwierig gestalten könnte, aber es probieren dürfte. Zumindest in der Reithalle. Und ja, es wurde schwierig und für Gitana, als auch für mich ziemlich stressig. Doch ich wollte nicht aufgeben. Beim nächten Mal hängte ich die Longe dran, doch richtiges Longieren war auch nicht möglich, denn von einem Kreis war das Schneebällchen, wie wir Gitana nennen, weit entfernt. Ich ließ ihr Zeit und probierte es mit ein paar Tagen Abstand immer wieder in kurzen Sequenzen. Und siehe da: heute läuft sie an der Longe. Mittlerweile sogar rechts herum. Meine Hoffnung ist, dass sich durch die regelmäßige Arbeit ihr Stoffwechsel reguliert und sie endlich wieder ein Fohlen bekommen kann.

In den letzten drei Wochen hatte ich ein bisschen mehr Zeit, mit ihr zu arbeiten und plötzlich bot sie mir quasi von selbst ein Schulterherein an der Hand an. Mittlerweile klappt das auch auf Abruf. Sie lernt unheimlich schnell und ich bin total begeistert von diesem Pferd. Das Schneebällchen bringt mich auch regelmäßig zum Lachen. Jedes Mal, wenn ich ihr nach der Arbeit ihre Kekse bringe, spielt sie danach mit ihren Lippen und fängt an zu flämen. Es sieht immer so aus, als wolle sie sich bedanken. Neulich wollte ich ein Foto von ihr machen in ihrer Box. Sie stupste mich so lange an bis ich ihr das Display des Handys zeigte. Ich dachte, okay, sie möchte ein Selfie machen und hielt ihr das Handy mit der Selfie-Funktion vor die Nase. Tatsächlich stupste sie dann mit ihren Nüstern gegen meinen Daumen und dabei entstand dieses süße Bild:

Mittlerweile waren wir schon zusammen auf dem Reitplatz zum longieren und auch das hat sie super gemacht. Ich bin gespannt, wo unser gemeinsamer Weg uns noch hinführt und werde euch von Zeit zu Zeit berichten.

2 Kommentare

    • k.meitzler-weis am 8. Juni 2018 um 21:54

    😍..bin gespannt wie es weitergeht
    Lg
    …im übrigen…ich als emotionalo…wieder mal Tränchen beim Lesen…

  1. Ich bin auch gespannt 😍 und lasse es euch wissen. 😘

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