Pferde meines Lebens

Monika

Ich war etwa 1 Jahr alt, als Monika zu uns kam. Sie war ein sehr schickes braunes Shetlandpony mit einem Stockmaß von 1,05m. Unser Highlight waren die sonntäglichen Kutschfahrten, die uns traditionell auch nach Framersheim auf das jährlich stattfindende Reitturnier brachte. Außerdem nahmen wir regelmäßig an einem kleinen Fastnachtsumzug teil, den es damals noch in Albig gab.
Durch dieses Hobby, das ja eigentlich das meines Vaters war, lernte ich schon sehr früh, wie man Trensen und Kutschzeug auseinanderbaut, putzt und wieder zusammensetzt. Deshalb war ich auch immer so penibel, bei meinen früheren Reitbeteiligungen. Wehe das Leder glänzte nicht oder die Trense war falsch zusammengebaut…
In den ersten 8 Jahren war Monika das einzige Pferd zwischen Schweinen, Gänsen, Hühnern, Kühen und Ziegen im Stall. Bella kam dann später dazu und die Beiden wurden beste Freundinnen.
Monika musste bestimmt sehr viel mit meinem Bruder und mir erdulden, doch wenn ihr etwas nicht passte, machte sie uns das auch sofort klar.
Als ich schon etwas älter war – Ich schätze mal 11 oder 12 Jahre – durfte ich, zumindest auf unserem Grundstück und ein bisschen im Feld mit ihr Kutsche fahren. Mit der Gig, die ja quasi nur aus einer Sitzbank mit zwei Rädern besteht, war das gar kein Problem. Doch immer wenn samstags unser Cousin und Cousine zu Besuch kamen, versuchten wir es mit der kleinen Kutsche. Monika war davon manchmal nicht so begeistert. Dann stürmte sie einfach los, da half es auch nicht, wenn mein Bruder die Bremsen fast durch die Fußablage trat. Einmal ist sie uns von unserer hintersten Koppel bis hoch in den Stall gestürmt, meine Verwandtschaft war schon früh genug abgesprungen, ich jedoch blieb sitzen bis sie auf einen dicken Stamm zuhielt, der quer über dem Weg lag. Ich sprang ab, Monika sprang mitsamt der Kutsche über den Stamm, rannte in den Stall und vergrub zufrieden ihren Kopf im Grünfutter, das dort für die Kühe bereitlag. Wir hatten als Kind offenbar richtig gute Schutzengel, denn passiert ist nie etwas. Weder Monika, noch uns.
Nie vergesse ich die Art, wie sie wieherte, sobald sie unsere Schritte oder Stimmen im Hof hörte.
Mit meiner Hyundai verstand sie sich leider nie. Ich glaube, die Beiden waren sich einfach viel zu ähnlich und keine konnte zurückstecken.
Ihren Lebensabend verbrachte sie bei lieben Bekannten im Nachbardorf, da meine Eltern sich trennten und den Hof verkauften.
Im Alter von 35 Jahren wurde sie schwer krank. Der Tierarzt vermutete Tumore dahinter. An einem Freitag vor Pfingsten mussten wir uns von ihr verabschieden.
Dankbar blicke ich zurück auf die schöne Kindheit und Jugend, die ich durch sie hatte.

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